Auf den Spuren Ötzis, zu Fuß über die Alpen
Der Seminarkurs des Technischen Gymnasiums meistert besondere Herausforderung
Tauberbischofsheim. Eine Woche lang zu Fuß unterwegs mit rund 88 Kilometer und 10.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg: Die Schülerinnen und Schüler der zwölften Klasse des Technischen Gymnasiums an der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim haben gemeinsam mit ihrem Seminarkurslehrer und zertifizierten Walk-Leader Michael Hellmuth sowie den bergerfahrenen Kollegen Mario Appel eine Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran bewältigt – ein außergewöhnliches Erlebnis, sowie eine körperliche als auch persönliche Herausforderung.
Die Alpenüberquerung stellt den praktischen Höhepunkt des Seminarkurses dar. Ziel des Seminarkurses ist zunächst das eigenverantwortliche und wissenschaftliche Arbeiten: Die Jugendlichen recherchierten, verglichen und strukturierten Inhalte, verfassten eine wissenschaftliche Seminararbeit und verteidigten ihre Arbeit in einem Kolloquium. Neben fachlichen Kenntnissen wurden so auch wichtige Schlüsselkompetenzen wie Teamarbeit, Organisation und Durchhaltevermögen gefördert – Fähigkeiten, die auf der Tour unmittelbar gefragt waren. Diese Vorbereitung zahlte sich aus: Auch anstrengende Etappen wurden mit Konzentration und gegenseitiger Hilfe gut bewältigt. Die Themen der Seminararbeiten drehten sich rund um die Alpen und den „Gletschermann Ötzi“.
Zur Vorbereitung auf die Alpenüberquerung setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit Themen wie Orientierung, alpinem Wetter, Ausrüstung sowie Sicherheit und Erster Hilfe auseinander. Vorbereitend führte die Gruppe mehrere Trainingswanderungen in der Region durch, um sich schrittweise an die Anforderungen einer Alpenüberquerung heranzutasten– oft mit steilen Anstiegen und schwerem Rucksack, um die körperlichen Anforderungen der späteren Tour realistisch zu üben.
Schließlich ging es spontan mit einem Kleinbus, da es wegen Zugausfällen mit dem Zug nicht mehr möglich war, vom Taubertal in die Alpen. Spontan unterstützte die Firma Brandel-Bau die Gruppe mit einem Kleinbus und der stellvertretende Schulleiter Jörg Schwab sprang als „Busfahrer“ ein und brachte die Gruppe nach Oberstdorf.
Gewandert wurde auf einem der schönsten Abschnitte des Europäischen Fernwanderweg E5 - von Obersdorf nach Meran. In sechs Etappen ging es über die Kemptner Hütte, das Kaiserjochhaus, das Alpendorf Wenns, die Braunschweiger Hütte, die Martin-Busch-Hütte bis nach Meran im Passeiertal. Die Strecke führte durch atemberaubende Berglandschaften, vorbei an Gletschern, Wasserfällen und steilen Passagen. Übernachtet wurde in einfachen Berghütten/Schutzhütten. Komfort spielte eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stand der persönliche Austausch während des Gehens, die Erlebnisse in der Natur, Hüttenabende nur mit Kartenspielen, gemeinsames Kochen und die gegenseitige Unterstützung. Tierische Begegnungen mit Gämsen, Murmeltieren, Steinadler, Alpensalamandern und einer Herde Steinböcken mit ihrem Nachwuchs bildeten einen Höhepunkt der Tour. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir die „Big 5“ der Alpen sehen“, sagte ein Schüler.
Die Ankunft am Stausee in Vernagt nach sechs intensiven Tagen war für alle ein besonderer Moment. „Einfach unbeschreiblich, mit eigener Kraft über die Alpen zu kommen. In Meran angekommen, wurde dies mit einer „leckeren italienischen Pizza“ gefeiert. Das wird uns ein Leben lang begleiten“, resümierte eine Schülerin. Lehrkraft Michael Hellmuth ist sichtlich stolz auf seine Schülerinnen und Schüler : „Diese Woche hat der Klasse mehr gegeben als jeder normale Unterricht. Es war Lernen mit Kopf, Herz und Beinen.“ Für viele war die Tour mehr als eine körperliche Herausforderung – sie war ein unvergesslicher Teil des Schuljahres – und ein starkes Beispiel dafür, wie Schule junge Menschen nicht nur fachlich, sondern auch persönlich wachsen lassen kann.