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Theateraufführung "Der zerbroch'ne Krug"

Publiziert am 23.02.2026

Tauberbischofsheim. In weiter Ferne so nah: Vor mehr als 200 Jahren hat Heinrich von Kleist sein Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ verfasst. Die Themen, die es verhandelt, sind von zeitloser Aktualität: Recht und Unrecht, Sein und Schein, Treue und Verrat, Schuld und Sühne. Eine zeitgemäße Fassung brachte wieder das Karlsruher Klassenzimmertheater „THEATERmobileSPIELE“ auf die Bühne, das mit drei Aufführungen an der Gewerblichen Schule gastierte. Rund 200 Oberstufenschüler des Technischen Gymnasiums, des Wirtschaftsgymnasiums, des Martin-Schleyer-Gymnasiums und des Matthias-Grünewald-Gymnasiums gewannen auf diese Weise neue Zugänge zu einer abiturrelevanten Pflichtlektüre.

Kleists Einakter ist ein analytisches Drama. Das auslösende Ereignis ist schon geschehen und bleibt als Vorgeschichte zu entdecken. Die Handlung spielt in Huisum, einem niederländischen Dorf bei Utrecht. Der klumpfüßige Dorfrichter Adam hatte sich dort in die Kammer des Bauernmädchens Eve geschlichen, um es zu verführen. Als Eves Bräutigam Ruprecht an die Türe klopfte und Einlass begehrte, musste Adam durch das Fenster fliehen, zerbrach dabei einen kostbaren Krug und verlor seine Perücke im Weinspalier des Hauses.

Die eigentliche Handlung des Stückes beginnt, als Eves Mutter Frau Marthe zum Dorfrichter kommt, um gegen den „Krugzertrümmrer“ zu klagen. Die Situation spitzt sich zu, als der Gerichtsrat Walter unangemeldet eintrifft, um die Gerichtsbarkeit in Huisum zu überprüfen. Unter seiner Aufsicht und angesichts der spitzfindigen Bemerkungen des Schreibers Licht ist Adam gezwungen, zu lügen und die Tatsachen zu verdrehen. Er verstrickt sich immer mehr in seine Ausflüchte und kann die Entdeckung der Wahrheit doch nicht aufhalten. Am Ende flieht er aus dem Dorf.

Für die rund 70-minütige Kompaktversion, die die Schüler zu sehen bekamen, schlüpften Petra Ehrenberg und David Lison in die unterschiedlichsten Rollen und verwischten damit – aktuelle Diskussionen lassen grüßen – auch Geschlechtergrenzen. Regisseur Thorsten Kreilos und Ausstatter Marcus Stiefel-Dürr hatten zudem ausdrucksstarke Bilder gefunden. So türmten sich die Aktenorder, die gleichzeitig als Versteck für Naturalien aller Art dienten. Sie veranschaulichten so die Vermischung von Beruf und Privatsphäre und machten damit die fragwürdige Amtsführung des Dorfrichters Adam deutlich.

Kleists Lustspiel ist eben auch das: eine Komödie voller Wortwitz und komischer Effekte. Die Inszenierung nahm dazu Anleihen Loriot, dem Großmeister des deutschsprachigen Humors. So zum Beispiel, wenn Petra Ehrenberg als Schreiber Licht mit Evelyn Hamann-Gedächtnisperücke auftrat und mit den Tücken eines Elektrokabels zu kämpfen hatte. Oder wenn Licht und der Gerichtsrat Walter dem fliehenden Adam per Fernglas nachblickten: „Ja, wo laufen sie denn hin?“

Im Anschluss an die Aufführung konnten die Schüler mit den beiden Schauspielern über Darstellung, Bühnenbild, Kostüme und Interpretationsansätze sprechen.

 

So viel war am Ende klar: Dem Klassenzimmertheater war es offensichtlich gelungen, mit Phantasie einen fiktionalen Raum entstehen zu lassen und damit den Schülern eine neue Sichtweise auf ein scheinbar bekanntes Werk zu ermöglichen.

Ulrich Feuerstein/Bilder Feuerstein

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